In Trauer um Notre-Dame

By | 17. April 2019

Paris, 15. April 2019.Gegen 18:20 Uhr wird in der Kathedrale Notre-Dame ein Feuerarlarm ausgelöst. Ein Brand konnte nicht gefunden werden.

Um 18:43 Uhr wurde, während der Abendmesse, ein zweiter Alarm ausgelöst. Diesmal entdeckten Sicherheitskräfte ein Feuer auf dem Dachboden

In der Folge wurde die Kirche evakuiert. Die meisten Touristen hatten, des Gottesdienstes wegen, die Kathedrale bereits verlassen, so dass nur die Gläubigen nach draußen geleitet werden mussten.

Währenddessen griff das Feuer auf den Dachstuhl über, eine Konstruktion aus über 100 Eichenbalken, die deshalb den Spitznamen „la forêt“ trug. In den brennenden Dachbalken stürzte der Turm über der Vierung um 19:56 in sich zusammen.

Über 500 Feuerwehrleute, Hubschrauber und Einsatzboote der Feuerwehr waren an der Rettung der Kathedrale beteiligt.

In der Nacht wurde klar, dass Fassade und die beiden Haupttürme gesichert werden konnten, aber erst am nächsten Vormittag konnte der Sprecher der Feuerwehr bestätigen, dass das Feuer vollständig gelöscht sei.(Quelle: Wikipedia)

Notre-Dame, Nahansicht der Türme

Glücklicherweise sind keine Menschenleben zu beklagen. Dennoch: Die Nachrichten taten buchstäblich weh. Was viele vielleicht nicht wissen: Notre-Dame beherbergt eine der wertvollsten Orgeln der Welt. Die große Hauptorgel schuf Aristide Cavaillé-Coll im Jahre 1868. Seither wurde sie mehrfach umgebaut. Heute umfasst sie 115 Register auf fünf Manualen. Ob der Wert überhaupt zu beziffern ist, weiß ich nicht.

Soweit es von dieser Seite des Rheins aufgrund der spärlichen Nachrichtenlage aktuell zu beurteilen ist, scheint das Instrument den Brand zumindest äußerlich überstanden zu haben. Ob das für Innenleben und Technik ebenfalls gilt, wird sich erweisen müssen. Momentan bin ich pessimistisch.

In der letzten Mittwochsmusik erklang die Erste Orgelsymphonie von Louis Vierne (1870-1937) in der Wesselinger Kreuzkirche. Vierne hatte selbst über 30 Jahre als Hauptorganist an Notre-Dame gewirkt.

Eigentlich wollte ich die Live-Aufnahme nicht Online stellen. Allerdings scheint sie mir in ihrer Unvollkommenheit die Geschehnisse ebenso zu spiegeln, wie das düstere, ziellose Kreisen des Prélude, des eröffnenden Satzes dieser Symphonie es ebenfalls tut.

Zwar endet das Prélude in vollkommener Trostlosigkeit. Allerdings bildet es den Anfang, nicht das Ende des symphonischen Bauplans. Am Schluss schreibt Vierne vielleicht eines seiner berühmtesten Stücke, eine dahin rauschende Tokkata, ein Feuerwerk in Tönen.

Auch der Mitschnitt dieses „Final“ soll hier folgen, in der Unvollkommenheit einer Liveaufnahme, in der Unvollkommenheit der – eigentlich – viel zu kleinen Kreuzkirchen-Orgel, aber als Gruß nach Frankreich und nach Paris. Möge der französische Präsident Emmanuel Macron Recht behalten, auf dass in fünf Jahren Viernes Symphonie in der wieder hergestellten Kathedrale und – hoffentlich – an einem restaurierten Instrument mit möglichst großer Originalsubstanz erklingen kann. Vollkommener, als in unseren Mitschnitten.

Bilderquelle:Alle Bilder sind der Wikipedia entnommen.

Louis Vierne – „Prélude“ aus der Ersten Symphonie, d-moll, op. 14
von Thomas Jung, Schukeorgel in der Kreuzkirche, Wesseling| Live-Mitschnitt vom 3. April 2019
Louis Vierne – „Final“ aus der Ersten Symphonie, d-moll, op. 14
von Thomas Jung, Schukeorgel in der Kreuzkirche, Wesseling| Live-Mitschnitt vom. 3. April 2019

Update:

Hoffnung! Gestern Nacht kam eine Meldung rein, derzufolge zumindest die große Hauptorgel die Katastrophe nahezu unbeschädigt überstandenhat. Hoffentlich ist diese Meldung korrekt…

Dafür haben sich die rechtspopulistischen Vermutungen eines islamistisch motivierten Attentats nicht bewahrheitet. Gott sei Dank…, will nicht wissen, was das für Folgen gehabt hätte…